Pablo (25)

Schämen Sie sich, Frau Fegebank!

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg unterhält ein reichhaltiges Presseportal. Hier finden sich alle Meldungen der einzelnen Behörden – gespeichert für die Ewigkeit. Transparenz ist dem Senat schließlich wichtig. Naja, gut, wenn es um sein Versagen geht, dann stellt er scheinbar auch edle Werte mal hinten an…

Ging man am Montag, 24. Juli 2017, auf die Seite der Pressestelle des Senats kamen wichtige Meldungen wie die Folgenden:

  • Am selben Tag berichtete die Verkehrsbehörde über die Asphaltierungsarbeiten an der Auffahrt HH-Curslack sowie über die Bauarbeiten zwischen Wandsbeker Allee und Bramfelder Straße.
  • Die Wissenschaftsbehörde bewarb am Freitag, 21. Juli 2017, einen Mathe-Vorbereitungskurs für Studieninteressierte der MINT-Fächer und die Schuldbehörde gab eine neue Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB) bekannt.
  • Zwei Tage vorher, am Mittwoch, 19. Juli 2017, wies die Verkehrsbehörde auf die Vollsperrung der A7-Anschlussstelle Hamburg-Volkspark, ein neues Mobilitätskonzept und Fahrbahnsanierungen an der Elbgaustraße hin. Die Wissenschaftsbehörde „feierte“ am selben Tage die Eröffnung des Nanoforschungszentrum in Bahrenfeld.

Wer sporadisch auf diese Seite geht, scheint nun einen guten Überblick darüber zu haben, was in Hamburg dieser Tage geschah… Oder nicht? War da nicht mehr?

Die Pressestelle des Senats veröffentlichte am Freitag, 21. Juli 2017, nämlich eine weitere Meldung mit dem Zeichen: „bwfg21a„. Titel: „Vorsichtsmaßnahme – Gebäude des Fachbereichs Chemie der Universität Hamburg vorsorglich außer Betrieb genommen„. Es handelte sich dabei um eine gemeinsame Pressemitteilung der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung sowie der Universität Hamburg. In dieser Meldung hieß es, aufgrund neuer „brandschutztechnischer Untersuchungen“ seien „die Universität Hamburg und die Wissenschaftsbehörde gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass dies aufgrund der besonderen Nutzung für Zwecke der Chemie nach aktuellem Kenntnisstand eine nicht zu verantwortende Gefahr für die Nutzerinnen und Nutzer der Gebäude darstellt. In den vier Häusern sind Arbeitsgruppen der Organischen und der Anorganischen Chemie, der Biochemie und der Technischen Chemie untergebracht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind gebeten worden, bis 18:00 Uhr ihre Versuche zu beenden und die Gebäude zu verlassen.

Diese Pressemitteilung findet sich – entgegen jeder Praxis – nicht (mehr) auf der Seite der Senatspressestelle und im Übrigen auch nicht auf der entsprechenden Übersicht der Universität Hamburg.

Es ist schon ein Skandal, dass Stadt und Universität die Gebäude so sehr haben herunterkommen lassen. Gerade bei der Chemie müssten besonders hohe Standards gelten. Aber der Versuch von Behörde und Universität, die Sache nun unter den Tisch zu kehren – das ist gleich der nächste Skandal. Und ausgerechnet eine Senatorin der Grünen – jener Grünen, die das Thema Transparenz wie eine Monstranz vor sich hertragen – hat das veranlasst oder wenigstens geduldet. Schämen Sie sich, Frau Fegebank!

Was Senat, Behörde und Universität nicht wollen, stellen wir gerne her: Transparenz. Hier die Pressemeldung vom 21. Juli 2017 im Originaltext:

Vorsichtsmaßnahme
Gebäude des Fachbereichs Chemie der Universität Hamburg vorsorglich außer Betrieb genommen

Die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und die Universität Hamburg haben am Mittag gemeinsam entschieden, vier Gebäude des Fachbereichs Chemie an der Bundesstraße vorsorglich außer Betrieb zu nehmen. Grund sind die Ergebnisse neuer brandschutztechnischer Untersuchungen, mit denen im Zusammenhang mit den geplanten Bauvorhaben auf dem Campus die Substanz dieser Bauten aus den 60er und 70er Jahren vertieft untersucht wurde.

Im Zuge dieser brandschutztechnischen Untersuchungen haben sich Hinweise ergeben, dass die Gebäude entgegen dem bisherigen Kenntnisstand über keinen ausreichenden Brandschutz verfügen. Die entsprechenden Mängel sind erst nach Öffnen von Decken, Wänden und Schächten und durch Aufbohren sichtbar geworden. Beispielsweise sind Lüftungskanäle zu benachbarten Bereichen nicht ausreichend abgeschottet und Fluchtwege im Brandfall nicht genügend gesichert. Dadurch könnte sich ein möglicher Brand in hoher Geschwindigkeit ausbreiten.

Vor dem Hintergrund dieser neuen Erkenntnisse sind die Universität Hamburg und die Wissenschaftsbehörde gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass dies aufgrund der besonderen Nutzung für Zwecke der Chemie nach aktuellem Kenntnisstand eine nicht zu verantwortende Gefahr für die Nutzerinnen und Nutzer der Gebäude darstellt. In den vier Häusern sind Arbeitsgruppen der Organischen und der Anorganischen Chemie, der Biochemie und der Technischen Chemie untergebracht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind gebeten worden, bis 18:00 Uhr ihre Versuche zu beenden und die Gebäude zu verlassen.

Die zuständige Aufsichtsbehörde und die Feuerwehr wurden umgehend benachrichtigt, um zu beraten, ob und durch welche Maßnahmen eine Wiederaufnahme des Betriebs ermöglicht werden kann.

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